Der Löwe beim Friseur

Die Tür kracht auf, wild gongt der Ladengong,
ein Mähnenwust ... ein Rachen ... Wutgebrüll ...
Ein junger Löwe tatzt in den Salon.
Im Herrnsalon ein Löwe? Still, nur still ...
Aus halb rasierten Wangen weicht das Blut,
und nicht vom Puder werden Nacken fahl,
Stuhlrücken ragen über Schultern, schmal,
ein Messer klirrt zu Boden ... Wer fasst Mut,
wer bringt das wüste Haupt jetzt vor den Spiegel,
komplimentiert und scherzt, beginnt ein Schwätzchen?
Der Meister! Er! Er öffnet Fläschchen, Tiegel:
"Wie wärs mit diesem himmelblauen Lätzchen?"
Der Löwe stutzt, weiß kaum, wie ihm geschieht.
Die Düfte nebeln. Zwar - sein Magen knurrt,
doch Schaum fliegt hoch, die laue Dusche sprüht,
man krault ihn hinterm Ohr. Gottlob, er schnurrt.
Und Meisters Hand nützt der Minute Gunst,
beflissen wäscht und föhnt sie, rollt und drillt,
bis hochgelockt, die Krone ihrer Kunst
(im Zeitgeschmack) den ganzen Spiegel füllt.
Der Löwe sitzt betäubt. Er muss sich stärken.
So frisst er den Friseur, halb quer, halb lang,
und bittet ihn für Dienstag vorzumerken.
Der Juniorchef verbeugt sich: Besten Dank ...
Gesenkte Stirnen, Blicke, Beistand suchend.
"Jaja", sagt wer, "Die heutche Juchnd!"

 

Inhaltsverzeichnis